Stillleben ganz lebendig – Ein Besuch in der Gemäldegalerie

Zum Ende des Schuljahres besuchte der Wahlpflichtkurs Kunst 10 von Frau Bombosch mit am 16.06.26 die Gemäldegalerie. Auch Frau Dr. Herold begleitete die Exkursion. Bei sommerlich heißen Temperaturen genossen wir die Frische der riesigen klimatisierten Ausstellungssäle, in denen wir an Gemälden des Mittelalters und der Renaissance vorbeiliefen.

Gezielt steuerte die Museumspädagogin einzelne Stillleben an, die wir im Ausstellungsgespräch genauer betrachteten, besprachen und deuteten. Auf diese Art beendeten wir unser Halbjahresthema „Stillleben“ und drangen noch tiefer in die Materie ein, die wir schon im Unterricht von verschiedenen Seiten beleuchtet hatten.

Endlich einmal sehen wir Stillleben-Gemälde im Original, zwar mit Abstand, aber dennoch in Originalgröße, also in viel größer als wir sie von den Abbildungen kannten.

Wir behandelten insgesamt fünf ausgewählte Stillleben und erfuhren dabei viel Erstaunliches und Interessantes, beispielsweise stellte das Gemälde „Marktfrau am Gemüsestand“ (https://recherche.smb.museum/detail/867996) dar, wie ein tugendhaftes Ehepaar sich fleißig der Arbeit widmet und deswegen an seinem Marktstand Lebensmittel im Überfluss anbieten kann, z. B. violette Karotten und den damals sehr wertvollen Blumenkohl.  Wir lernten, dass der Fisch ein Symbol für das Christentum und gottesfürchtige Menschen war und auch heute noch ist und dass Butter früher eine andere Form hatte.

Der „Blumenstrauß“ (https://recherche.smb.museum/detail/865413) vom so genannten Samtbrueghel zeigt Blumen aller Jahreszeiten auf einmal und steht somit für den Verlauf der Zeit, aber auch für großen Reichtum, denn er zeigt Blumen, die zu besitzen, gar nur anzusehen, unvorstellbar kostspielig war, weil sie aus großer Ferne kamen.

Im „Stillleben mit Kirschen und Erdbeeren“ (https://recherche.smb.museum/detail/867432) konnten wir wunderbar erkennen, wie kostbare Materialien, Gold, Glas, chinesisches Porzellan so naturalistisch dargestellt werden, dass man meint, sie anfassen zu können. Die Libelle im Bild stand zu der damaligen Zeit für das Böse, ganz im Gegensatz zum Schmetterling, der das Gute symbolisiert, das allerdings auf Messers Schneide steht. Somit warnt das Gemälde auch vor der Vergänglichkeit des Guten, das jederzeit vorbei sein kann.

Das „Stillleben mit Musikinstrumenten“ (https://recherche.smb.museum/detail/864594) wird in seinen Warnungen noch deutlicher. Eine Kerze im Bild ist bereits erloschen, die gezeichneten Seifenblasen verdeutlichen, wie schnell und flüchtig jeder einzige Moment, ja sogar das ganze Leben ist und eine Sanduhr im Bild stellt dar, wie die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes verrinnt.

Würfel, Musikinstrumente und ein Globus verbildlichen hier allerdings auch Freude und Genuss sowie die aufregende Möglichkeit, fremde Länder kennenzulernen, die gerade von Europa aus erreichbar wurden. 

Es war ein lehrreicher Besuch in der Gemäldegalerie, deren Gemälde aus acht Jahrhunderten immer einen Besuch wert sind. Bei unserem Ausstellungsgespräch wurden allerdings Gemälde gezielt für uns ausgesucht und wenn man sich so im gemeinsamen Gespräch tief in die Kunstwerke hineinbegibt, dann erlebt man doch die Kunst noch einmal viel intensiver.